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Dr. Bernhard Firgau: Die Rechtschreibreform
Wie erfasse ich das Thema der Rechtschreibreform und ihrer Entwicklung astrologisch?
Wir betrachten eindeutig ein Merkur-Thema. Mit der Ingress-Technik kann ich daher für das entsprechende Thema und Jahr ein Horoskop berechnen, das den exakten Eintritt der Sonne in das Zeichen Zwillinge darstellt. Das Thema Rechtschreibung sollte sich darin finden lassen. Die Hauptstadt Berlin gibt den für das Horoskop maßgeblichen Ort an, da es ein deutsches Thema ist.
Umstritten ist die Wahl des richtigen Jahres. Bei mundan-astrologischen Ereignissen fallen oft zwei Zeitpunkte auseinander: Die Entscheidung für eine politische Maßnahme und der für den Beginn vorgesehene Zeitpunkt. Typische Beispiele sind die Unterschrift auf einer Verfassungsurkunde und der Tag des späteren Inkrafttretens. So auch hier:
Die Rechtschreibreform wurde im Südwestfunkgebäude in Mainz am 1.12.1995 beschlossen. In Kraft treten sollte sie am 1.8.1998 und nach einer Übergangszeit am 1.1.2005 endgültig verbindlich für Schulen und Behörden sein.
Ich tendiere dazu, den Zeitpunkt zu nehmen, in dem ein Willensakt geäußert wird. Er hat schon damit sofortige Bedeutung für die Politik. Auch wenn der amtliche Beginn solcher Anordnungen in der Zukunft liegen kann, existiert er bereits in der Welt. Wir können beides untersuchen und jeder mag sich für seinen richtigen Zeitpunkt entscheiden.
Das Jahresthema im Zwillinge-Ingress am 21.5.1995 um 12.34 GMT offenbart jede Menge erhöhte Planeten. Merkur in Zwillinge, Venus in Stier, Jupiter in Schütze, Uranus in Wassermann. Mars im feurigen Löwen und Mond in den Fischen
stehen immerhin auch in ihren Elementen. Sie geben damit alle besonders starke Energie, jeder in seinem Sinne, und stehen sie sich entsprechend heftig im Weg, wenn die Konstellationen disharmonisch sind.
Merkur in Zwillinge in 9 zeigt ebenso, dass es um Sprachideologie geht wie Jupiter gegenüber im 3. Haus Schütze. Die beiden repräsentieren unser Thema Rechtschreibung, wobei das „Richtige“ mit Jupiter und das Schreiben mit Merkur besonderes Gewicht bekommt. Beide stehen von der Häuserposition verkehrt herum, da Jupiter eigentlich in 9 und Merkur in 3 seine Heimat hat. Verkehrte Welt also.
Mars an der Spitze des 12. Hauses lässt ahnen, dass der Kampf gegen die Reform unterschwellig geführt wird. Der Sonne im 9. Haus fällt Pluto im 3. Haus als gewaltige Opposition in den Rücken. Beide besetzen also die Häuserachse, die in das Reich von Merkur und Jupiter fällt.
Später wird „Spiegel“-Chef Stefan Aust die Reform durch staatliche Anordnung mit Eingriffen der Diktaturen in den Alltag vergleichen und damit das Plutonische aufgreifen.
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Beatrix Braukmüller: Salvador Dali
„Ich habe den Tod erlebt noch bevor ich lebte“, schreibt Salvador Dali in seiner Autobiografie „So wird man Dali“ (Molden Taschenbuchverlag, Wien-München, 1976*).
Sein Bruder Salvador I. war im Alter von 22 Monaten genau neun Monate und zehn Tage vor Dalís Geburt gestorben, und er, Salvador II., trat nun dessen Nachfolge an.
„Die Verzweiflung meiner Eltern wurde erst durch meine Geburt gelindert, aber alle Zellen in ihrem Körper hatten sich mit ihrem Gram vollgesogen. Schon im Schoße meiner Mutter spürte ich ihre Qual. Mein Fetus schwamm in einer höllischen Plazenta. Ich bin diese Qual nie wieder losgeworden. ... Zutiefst fühlte ich seine (des Bruders) beharrliche Gegenwart, für mich zugleich ein Trauma – eine Art Liebesdiebstahl – und krankhafte Sucht, ihn zu übertreffen. ... Van Gogh trieb der tote Doppelgänger in den Wahnsinn. Mich nicht.“
Diese Aussagen machen die Saturn-Problematik in Dalís Horoskop deutlich: Saturn im Wassermann steht im Quadrat zu dem Stellium von Sonne, Merkur und Mars im 11. Haus Stier. Im 8. Haus weist Saturn darauf hin, dass Dalí schon früh mit dem Tod konfrontiert wird oder sich selbst damit auseinandersetzt. Der Tod des Bruders „verfolgt“ ihn sein Leben lang, auch wenn Dalí wie der Erstgeborene und wie ein kleiner König behandelt wird. Dennoch machen sich immer wieder Lebensangst und Unsicherheit (SO/SA) bemerkbar; Selbstzweifel lassen ihn seine Existenzberechtigung in Frage stellen. Mit seiner subjektiven Selbstwahrnehmung (SO/ME) gelingt es ihm jedoch, seine Schwächen mit Selbstherrlichkeit (Widder-MO) zu kompensieren. Der Tod fasziniert und schreckt Dalí zugleich. Er hat immer das Gefühl, er müsse seinen Bruder töten, um sich das Recht auf seinen eigenen Platz und auf den eigenen Tod zu erringen. Und das versuchte er mit allem Mitteln. Schon als Kind neigte Dalí zu grausamen Handlungen. Aus Wut zerkratze er seiner Kinderfrau mit einer Stecknadel das Gesicht. Einen Spielfreund schubste er – wie er selbst schrieb – ohne jegliches Gefühl von Reue von einer Brücke, seine kleine Schwester trat er gegen den Kopf. Er quälte nicht nur Menschen, er verzehrte sogar tote Tiere. So biss er einer sterbenden Fledermaus den Kopf ab und zerknackte genüsslich die Köpfe kleiner Vögeln zwischen den Zähnen.
„Ich weiß, ich bin grausam, und mein Gewissen freut sich meiner kannibalischen Gelüste, denn meine Art zu essen ist ein ständiger Beweis für meine lebendige Wirklichkeit. Ich fühle mich lebendiger wenn ich einen Toten verschlinge.“ (*S. 19/20)
All das tat Dalí, um Leben in sich zu spüren, um sich von seinem toten Bruder zu distanzieren, den er als „Fälschung“, als einen ersten Entwurf, betrachtete. – Dalí selbst wollte das Original sein.
„Ich trat, als ich geboren wurde, in die Fußstapfen eines angebeteten Toten, den man in mir weiterliebte, ... Eine narzißtische Wunde war für mich dieses Übermaß von Liebe, eine Wunde, die ich schon im Schoß meiner Mutter spürte. Nur durch die Paranoia, das heißt durch stolze Selbstverherrlichung, gelang es mir, mich vor dem Nichts des systematischen Selbstzweifels zu retten. Ich lernte zu leben, indem ich die Leere einer nicht wirklich mir geltenden Zuneigung füllte mit der Liebe-durch-mich-zu-mir. Ich habe den Tod durch Stolz und Narzißmus besiegt.“ (*S. 11)
Treffender konnte Dalí seine Konstellationen nicht beschreiben. Hier werden noch einmal seine großen Selbstzweifel deutlich; er fühlt sich nicht angenommen und nicht geliebt (SO-ME-MA Quadrat SA). Mit der starken Stier-Betonung und dem Krebs-AC braucht Dalí jedoch Sicherheit und Geborgenheit sowie die emotionale Bindung an seine Eltern/Familie. Mit seiner subjektiven Wahrnehmung (SO-ME) und seinen idealistischen Gefühlen (NE Quadrat MO am MC) stellt Dalí hohe Ansprüche an seine Eltern. Es ist selbstverständlich für ihn, dass er den Ton angibt und das bekommt, was ihm seiner Meinung nach zusteht (SO-ME-MA Quadrat SA). Doch durch die Geburt seiner Schwester Ana María (1908) ist seine Einzigartigkeit wieder bedroht. Mit Eigensinn, Ungeduld und seinem starken Geltungsbedürfnis (SO-MA), das zum Narzissmus ausartet (Widder-MO), setzt Dalí seinen „Kopf“ durch – gemäß seinem Lebensmotto, immer das Gegenteil von dem zu machen, was andere tun – und er wird sehr erfolgreich damit.
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Jan Reimer: Das 5. Haus –Die Spielwiese des Lebens
Wenn man mit einer Horoskop-Analyse ergründen möchte, ob und inwiefern ein Mensch kreativ veranlagt ist, so betrachtet man nicht nur die Aspekte zu Sonne, Venus und Neptun, beachtet nicht nur, ob eine Betonung der Tierkreiszeichen Stier, Löwe, Waage und Fische vorliegt, sondern prüft vor allem, ob das 5. Haus eine herausragende Bedeutung im Horoskop des Betreffenden aufweist.
Im 5. Haus betreten wir, thematisch gesehen, die „Spielwiese des Lebens“.
In der Abfolge der Häuserthemen soll sich der Mensch in spielerischer Weise den Einflüssen und Zwängen elterlicher Zuwendung (4. Haus) mehr und mehr entziehen und sein eigenes kreatives Potenzial entwickeln. Dabei wird auch die eigene Körperlichkeit im Sinne erotischer Erfahrungen zunehmend erlebt. Mit dem Heranwachsen stellt sich dann irgendwann die Frage: Ist erotische Lust als pures Vergnügen anzusehen, oder bekommt sie zusätzlich einen tieferen Sinn im Hinblick auf die Zeugung von Kindern?
Das Erwachsenwerden nährt bekanntermaßen die Forderung nach Eigenverantwortung, und jeder von uns wird irgendwann seine persönliche Haltung zur Welt der Kinder entwickeln, ob er nun Erzieher wird oder nicht. So könnte man kurz sagen: Das 5. Haus steht für die Hauptthemen Kreativität – Erotik – Kinder.
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Sabine Bends: Das 6. Haus –Das „Aschenputtel-Haus“
Das 6. Haus ist mindestens ebenso geheimnisvoll wie sein Gegenüber, das 12. Haus. Im 6. Haus geht es um Arbeit, um Alltag, um Gesundheit oder das Gegenteil davon, um Kollegen und Mitarbeiter, ja, sogar um Haustiere. Ein recht merkwürdiges Sammelsurium. Verständlich, dass so mancher verständnislos die Achseln zuckt, wenn es um dieses Haus geht.
Ich möchte mich dem 6. Haus hier auf den verschiedensten Ebenen nähern, um ein dreidimensionales Bild von diesem Haus zu bekommen.
Bei unserer Reise durch die Häuser folgt das 6. Haus unweigerlich auf das 5. Und das ist ein bisschen wie das morgendliche Erwachen nach der Party. Die Aschenbecher sind voll, die Flaschen leer, die Teller dreckig. Was gestern noch Spaß und Stimmung war, kehrt sich heute um in Katzenjammer und die Pflicht zum Aufräumen. Wir begegnen im 6. Haus sozusagen dem Schatten des 5. Hauses, des Wunsches, groß, edel und stark zu sein. Wir fühlen uns hier manchmal eher klein und mies, und sind damit konfrontiert, uns mit unseren Unzulänglichkeiten zu befassen. Im 5. Haus hielten wir uns für einen großartigen Maler, doch im 6. Haus mussten wir dann feststellen, dass wir noch nicht über ausreichende technische Fähigkeiten verfügen, um ein wirklich großer Maler zu sein, ja, dass wir eigentlich gar kein Maler sein können, weil unser räumliches Sehen beschädigt ist.
Der Kinofilm „Seabiscuit – Mit dem Willen zum Erfolg“ ist eine eindrucksvolle Verfilmung des Zusammenhangs zwischen 5. und 6. Haus. Es ist die wahre Geschichte einer amerikanischen Legende. Charles Howard, ein „gemachter Mann“, dem das Schicksal zwar beruflichen Erfolg, aber kein privates Glück gegönnt hat, trifft auf das geschlagene und zu klein geratene Rennpferd Seabiscuit, den zu groß geratenen erfolglosen Jockey und Preisboxer Red Pollard und den alten und eigensinnigen Pferdetrainer Tom Smith. Eine Truppe von Losern, sollte man meinen. Doch aus den ewigen Verlierern werden spektakuläre Gewinner. Und warum? Weil sie in der Krise des 6. Hauses nicht untergehen. Sie alle drücken sich nicht davor, ihre vermeintlichen Schwächen zu bearbeiten und in Stärken umzuwandeln. Weil sie nicht perfekt sind, sind sie gezwungen, ganz eigene Wege zum Erfolg zu finden. „Nur weil es ein bisschen beschädigt ist, wirft man ein Leben doch nicht gleich weg“, sagt Tom Smith.
Wir alle sind im 6. Haus ein bisschen beschädigt. Aber vielleicht ist gerade das der Weg zu wahrer innerer und äußerer Größe? Bei Seabiscuit zumindest ist es so. Seine Siege sind keine einfachen Siege, sie sind hart erarbeitet. Den Mangel an äußerer Größe muss das kleine Pferd durch andere Eigenschaften und Fähigkeiten wettmachen. Wie das tapfere Schneiderlein im Märchen. Es muss Techniken finden, die seine Schwäche in eine Stärke verwandeln.
Die Handlungen des 5. Hauses entsprechen in der Realität nur selten unserem Ideal. Wenn wir dann im 6. Haus die Erfahrung der Niederlage bzw. der Unvollkommenheit machen, dann sieht das häufig so aus: Ich werde krank. Keiner kauft meine Bilder. Ich finde keinen Job. Wir sitzen in der Tinte.
Das ist ein kritischer Punkt, an dem sich vieles entscheidet. Denn in unserer Reaktion auf die Erkenntnis unserer Grenzen liegt der Schlüssel zum Erfolg. Die Herausforderung lautet: Wie begegnest du der Notwendigkeit, zu gesunden, dich zu verbessern, zu verändern, zu vervollkommnen? Das Ziel des 6. Hauses ist Heilung und persönliche Vervollkommnung. Doch nicht in dem Sinne, dass ich perfekt sein muss, bevor ich etwas tue. Ich muss lediglich das „Heilmittel“ finden, das meine Wehwehchen ausgleicht. Wenn ich meine Krise als Gelegenheit zum Wachstum sehe, als Umwandlung des herrschenden Zustandes, als Weg zum Erfolg über Mangel und Scheitern hinaus, dann wird es ein wahrer Erkenntnisweg der eigenen Persönlichkeit. Erst dadurch wird die Größe des inneren Selbst sichtbar.
In Seabiscuit bricht sich Red Pollard sein Bein. Nicht nur ein bisschen, nein, in tausend Stücke. Und Seabiscuit selbst hat einen Bänderriss. Die Konkurserklärung für ein Rennpferd und einen Jockey. Sollte man meinen. Doch nicht für unsere beiden Helden. Ganz jungfräulich und im Sinne des 6. Hauses widmen sie sich dem Heilungsprozess, Schrittchen für Schrittchen und sind sich auch nicht zu schade, leicht lädiert wieder bei den Großen mitzuspielen. Ob sie wieder gewinnen? Die Spannung möchte ich Ihnen nicht nehmen...
Wir können das 6. Haus aber auch aus der Perspektive der drei Häuser des gleichen Elements betrachten, des zweiten, sechsten und zehnten. Was verbindet diese drei Erdhäuser miteinander? Die Erdhäuser stellen unseren Bezug zum Irdischen, zur Realität dar. Sie zeigen, wie und wo wir konkrete Gaben mitbekommen haben
(2. Haus), die wir weiter verfeinern und ausbilden können (6. Haus), um dann die Ergebnisse unserer Mühen im 10. Haus zu ernten. Der Prozess dieser Entwicklung wird einem vor allem klar, wenn man sich im persönlichen Lebenslauf die Transite von Saturn durch diese drei Häuser vergegenwärtigt.
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Dr. Christoph Schubert-Weller: Kombination und Synthese Die Kunst der Horoskopdeutung, Teil 3 Die Bedeutung des Faktorenzulaufs
Eine analytische Übung ganz eigener Art ist die Betrachtung des Faktorenzulaufs. Die Planeten stehen im individuellen Horoskop im Richtungssinn des Tierkreises in einer bestimmten, gegebenen Reihenfolge. Diese Reihenfolge wird in Bausteinen analysiert, und zwar ohne Berücksichtigung der jeweiligen Umlaufgeschwindigkeit des einzelnen Faktors. Man darf den Begriff des „zulaufenden Faktors“ nicht mit dem Begriff des „zulaufenden Aspektes“ verwechseln. Beim „zulaufenden Aspekt“ muss die Umlaufgeschwindigkeit der beiden Aspektpartner mit bedacht werden
Das auf Seite 35 abgebildete Horoskop ist das Geburtsbild einer Klientin, die ich im Sommer 2004 beraten habe. In diesem Horoskop läuft Neptun auf die Sonne zu, weil die Sonne im Richtungssinn des Tierkreises der nächste Nachbar des Neptuns ist. Entsprechend läuft Pluto auf Uranus und Mond auf Saturn zu.
In diesem Sinn werden die Lichter und die Planeten analysiert, Rechenpunkte wie die Horoskopachsen oder die Mondknoten bleiben unberücksichtigt. Der Faktorenzulauf ist also nicht in dem hohen Maß individuell wie die Dominantenanalyse.
Natürlich spielen Zeichen- und Hauszugehörigkeit des zulaufenden wie des benachbarten Faktors in der Deutung eine wichtige Rolle.
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Barbara Hutzl-Ronge: Beratung in der Praxis: Was hat der Skorpion mit dem Osterhasen zu tun?
Zugegeben, es ist vielleicht eine verrückte Idee, der Osterhase könne überhaupt etwas mit Astrologie zu tun haben. Und warum ausgerechnet mit dem Skorpion? Doch anlässlich des Skorpionmonats möchte ich dieser Frage als Metapher nachgehen.
Welche Astrologin, welcher Astrologe mag ihn nicht, den Moment, in dem man das Horoskop eines Klienten zum ersten Mal richtig betrachtet? Die Neugier, welche Tierkreiszeichen, Aspekte und Häuserbesetzungen wohl diesmal beteiligt sind, mischt sich mit der eigenen Freude, etwas entdecken, etwas herausfinden zu können. Mich erinnert diese Situation immer ein wenig an Ostern. Genauso wie ich als Kind am Ostermorgen sicher sein durfte, dass es einige Eier zu finden gibt, habe ich auch nun die Gewissheit, dass ich etwas finden werde. Was gibt es Schöneres, als sich voller Entdeckungslust auf die Suche zu machen?
In meiner Praxis ist der Ablauf davor immer derselbe: Die Klienten haben angerufen und geschildert, welche Lebensbereiche sie zurzeit beschäftigen und auf welche Fragen sie sich von mir eine zusätzliche Hilfestellung erhoffen. Ich habe ihnen gesagt, ob ich ihre Fragen in der von ihnen erwarteten Weise überhaupt beantworten kann und ich habe ihnen geschildert, in welcher Weise ich mir vorstellen kann, ihnen bei der Beantwortung ihrer Frage behilflich sein zu können. Und nun liegt das Horoskop vor mir und ich bin in gespannter Erwartung, was es mir verrät.
Meistens springen mir gleich zu Anfang ein paar Details ins Auge. Es bleibt ja nicht aus, dass man sich schon beim Telefongespräch ein paar Gedanken macht, welche Planeten zum besprochenen Thema passen würden und welche Transite für die aktuelle Beschäftigung mit dem Thema ausschlaggebend sein könnten. Die Details, die einem nun spontan auffallen, sind die, auf die zu achten man erfahrungsgemäß gelernt hat. Selbstverständlich sind es auch jene, die man (oft unbewusst) erwartet. Nach diesem ersten Eindruck mache ich mich dann systematisch auf die Suche und klappere alle Planeten ab, prüfe Häuser, Aspekte usw., kurzum: ich betrachte alles, was mit der mir gestellten Frage zusammenhängt. Auch dieses Vorgehen kann mit dem Ostereiersuchen verglichen werden: Die ersten Eier sind schnell gefunden. Aber wer sie alle finden will, muss systematisch vorgehen. Selbstverständlich hilft einem jahrelange Erfahrung mit den Gewohnheiten des Osterhasen, wenn man auch seine wirklich kniffligen Verstecke leeren will. Beim Lesen von Horoskopen verhält es sich ähnlich. Auch hier lernt man mit der Zeit, in welch unauffälligen Kombinationen sich die interessantesten Hinweise verstecken können.
Was die Interpretation von Horoskopen nun definitiv vom Eiersuchen unterscheidet, ist die Eindeutigkeit dessen, was gefunden wird. Ein rotes Ei ist rot und nicht blau. Ein Hühnerei ist ein Hühnerei und niemand wird auf die Idee kommen, es für ein Straußenei zu halten.
Unsere astrologischen Fundstücke hingegen sind etwas komplexerer Natur als gekochte Hühnereier, in welcher Farbe auch immer. Alles, was wir im Horoskop eines Klienten entdecken können, sind ja nichts anderes als Erklärungsmuster der Eigenheiten, Bedürfnisse und Wünsche, die ihn prägen. Bevor wir mit dem Klienten nicht gesprochen haben, haben wir als Astrologen nicht die geringste Ahnung, wie er mit seinen Eigenheiten umgeht. Mag er
sie? Oder nerven ihn einige davon? Hat er für seine Eigenheiten von anderen Lob erfahren oder wurde er deswegen kritisiert? Welche seiner Bedürfnisse kennt er? Welche von den ihm bekannten Bedürfnissen erfüllt er sich und welche versagt er sich? Welche erfüllen oder untersagen ihm die Menschen, die für ihn wichtig sind? Fragen über Fragen, die uns das Horoskop nicht beantworten kann, denn die Antworten kennt nur der Mensch, der schon sein ganzes Leben lang mit diesem Horoskop lebt.
Um das Bild des Ostereiersuchens beizubehalten: Was wir Astrologen in Horoskopen entdecken können, entspricht nicht den eindeutigen Hühnereiern, sondern viel eher den bunten Pappeiern, die mit unterschiedlichstem Inhalt gefüllt sein können. Wenn ich ein Pappei mit dem Aufdruck „Mond im Wassermann“ im Horoskop meines Klienten entdecke, dann weiß ich als Astrologin zwar, dass mein Klient in irgendeiner Form das Gefühl von Freiheit, Ungebundenheit und Originalität braucht, um sich wohl zu fühlen, aber ich weiß eben nicht, ob und auf welche Weise er diesem Bedürfnis nachkommt, ob und wie er dies in den -zig Jahren seines Lebens getan hat. Was sich also alles in dem Mond-im-Wassermann-Pappei konkret angesammelt hat, das weiß nur der Klient. Ich als Astrologin kann es nicht wissen.
Wie der Franziskanerpater Garezzo zutreffend bemerkte, zwingen die Sterne nicht, sie machen nur geneigt. Dieser von Astrologen gern zitierte Spruch zeigt, dass viele von uns davon ausgehen, dass die Sterne nicht das Schicksal der Menschen bestimmen, dass die Menschen diesem Schicksal somit auch nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern dass sie ihr Leben mit ihrem Willen sehr wohl beeinflussen und gestalten können. Hinzu kommt noch die Erkenntnis, dass Menschen auf astrologische Aspekte ihres Horoskops mit unterschiedlichen psychologischen Mechanismen reagieren können. Da eine weitere gesellschaftliche Übereinkunft darin besteht, dass jeder Mensch das Recht hat, über sein Leben selbst zu bestimmen, gilt es folglich unter Astrologen als unethisches Verhalten, Entscheidungen für Klienten zu treffen. Die meisten Astrologen bekennen sich also zum Grundsatz, den Klienten beratend zur Seite zu stehen, ihnen aber nicht die Verantwortung für ihre Entscheidungen abzunehmen.
Letzteres klingt einfach, ist es in der konkreten Beratungssituation aber überhaupt nicht. Genau betrachtet mischt in jeder Beratung nämlich Skorpion mit, und das in all seinen Gestalten. Lassen Sie uns zuerst die Aspekte „Macht und Machtmissbrauch“ betrachten, die dem Tierkreiszeichen Skorpion innewohnen.
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Wulfing von Rohr: Warum Prognose zur Astrologie gehört
Darf man heute überhaupt noch astrologische Prognosen stellen?
Wenn man sich die meisten astrologischen Bücher anschaut, die im deutschsprachigen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht worden sind, so wird man eine große Zahl psychologischer und psychologisierender Werke finden. Dazu natürlich auch eine Fülle an oberflächlichen pseudoastrologischen Büchern, dann einige spirituelle und sehr wenige nur, die sich mit Zukunftsschau und Prognose aufgrund astrologischer Berechnungen befassen. Warum ist das so? Ich meine, dass drei Gründe ausschlaggebend dafür waren.
Erstens bestand das Bedürfnis, in moderner Sprache und auch im Hinblick auf tiefenpsychologische und karmische Aspekte Astrologie im Allgemeinen und Horoskopdeutung im Speziellen besser zu verstehen. Die oft holzschnittartige, bisweilen auch okkult angehauchte Sprache der Alt-
vorderen passte nicht mehr zum modernen Menschen, der sich eben nicht mehr als Massenmensch betrachtete, sondern als Individuum, der sich nicht mehr als
vom Kollektiv bestimmt wähnte, sondern glaubte, einen ganz persönlichen Individuationsprozess zu durchlaufen, dem die verallgemeinernde Sprache der Alten nicht mehr entsprach. So weit, so gut.
Zweitens jedoch verbreitete sich gerade unter seriös arbeitenden Astrologen (von Wahrsagern und Scharlatanen, die Astrologie missbrauchen, ist hier ohnehin nicht die Rede!) eine Unsicherheit, ein Zögern, eine große Hemmung, sich auf das vermeintlich dünne Eis der Prognose zu begeben. Wenn schon Zukunftsschau, dann lieber über „weiche“ psychologische Entwicklungschancen, nicht aber über „harte“ tatsächliche Ereignisse. Einerseits wohl, weil man sich selbst bzw. dem astrologischen Handwerkszeug nicht (mehr) recht traute. Andererseits, weil jede Prognose den freien Willen des Ratsuchenden einzuschränken schien.
Drittens scheint es, als ob die Beschäftigung mit so schnöden Dingen wie finanziellen Erfolgsaussichten (bzw. wie man sich diese vielleicht erst erarbeiten muss und kann), Partnerbegegnungen, Wohnortwechsel, Berufswahl und so fort, vor allem auf der inneren psychologischen Ebene – wenn überhaupt – zu erfolgen habe, nicht auf der äußeren materiellen Ebene. Im Zeichen einer Ganzheitssicht des Menschen wurde die Astrologie vor allem (zeitweise zu Recht!) psychologisch gedeutet.
Wir sind aber inzwischen an einer Stelle in dieser Entwicklung angekommen, an der die materielle Basis und das irdische Umfeld der Deutung fast völlig vergessen wird und man stattdessen oft so tut, als ob es „nur“ der psychologischen bzw. spirituellen Höherentwicklung des Menschen bedürfe, und schon spielten die äußeren Bedingungen keine Rolle mehr.
Andere vertreten den Standpunkt, alles ginge allein mit positivem Denken oder Wünschen an das Universum schon so, wie man es sich erhoffe: Bloßes Wünschen und Wollen, das Bewusstsein also, verändere bzw. produziere sozusagen automatisch die Ereignisse, also das Sein.
Ich selbst vertrete eine ganz andere Meinung, denn ich übersehe nicht die schöpferische Kraft der bewussten geistigen Ausrichtung oder auch der unterbewussten „Programmierung“. Es gibt jedoch gleichzeitig Kräfte, die Fakten schaffen, die dem individuellen Zugriff nicht unterliegen. Anders gesagt: Sicher gibt es ein Innen, eine Chance der Entwicklung. Das kollektive Außen, die wirkenden Weltzustände, und das individuelle Außen, nämlich karmische bzw. schicksalhafte Ereignisse, denen wir auch nicht mit noch so vielen tiefenpsychologischen Analysen oder Meditationsübungen und dergleichen mehr entrinnen können – das ganzheitliche Außen also bestimmt den Menschen aber ebenso!
Warum sollte man dieses zukünftige Außen – diese künftig wirksamen individuellen und kollektiven Faktoren, die Chancen und Herausforderungen, die Blockaden und die neuen Energien – nicht rechtzeitig kennen lernen, um sich besser darauf einstellen zu können, um damit besser umzugehen, und auch um sie besser nutzen zu können?
Ich bin aus Erfahrung und aus der Beschäftigung mit der seit der Antike überlieferten Sternenweisheit der Ansicht, dass Astrologie ganz legitim drei Bereiche abdeckt und erst die Zusammenschau aller drei ein rundes Horoskopbild ergibt:
• Psychologische Beschreibung der Persönlichkeit hinsichtlich Anlagen, Entwicklungsmöglichkeiten und innerer Harmonisierung;
• Erfassung spiritueller Lebensaufgaben und der Art und Weise, wie diese am besten erfüllt werden können;
•Ereignisvorschau für bestimmte einzelne Menschen, Orte und Zeiten.
Aus Charakter ergibt sich Schicksal. Wenn ein Horoskop etwas über den Charakter auszusagen imstande ist, erwächst schon daraus Schicksal! Zur Erinnerung: Die Uhr macht keine Zeit, sondern zeigt sie an.
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